{"id":76,"date":"2011-07-20T23:32:56","date_gmt":"2011-07-20T22:32:56","guid":{"rendered":"http:\/\/hartz4-muss-weg.de\/?p=76"},"modified":"2011-07-20T23:32:56","modified_gmt":"2011-07-20T22:32:56","slug":"rund-ums-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hartz4-muss-weg.de\/?p=76","title":{"rendered":"Rund ums Geld"},"content":{"rendered":"<p><em>Unser Redebeitrag von Manfred Bartl zur 24. Mainzer Jeden-Monat-Demo am 20. Juli 2011, gehalten im Dauerregen bei der Abschlusskundgebung auf dem Frauenlobplatz in der Mainzer Neustadt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Liebe Konsumentinnen und Konsumenten!<\/strong><\/p>\n<p>Das OPEN OHR 2011 hat sich unter dem Motto &#8220;<strong>Rien ne va plus &#8211; Nichts geht mehr<\/strong>&#8221; mit dem Thema Geld und Bezahlen besch\u00e4ftigt. Das machen wir Hartz-IV-Leistungsberechtigten auch &#8211; und zwar jeden Tag! Warum m\u00fcssen wir jeden Cent zweimal umdrehen? Warum k\u00f6nnen andere leistungslos Millionen oder gar Milliarden einstreichen? Manchmal ger\u00e4t Geld in die Diskussion, etwa wenn der Euro gerettet werden &#8220;muss&#8221;. Aber versteht noch jemand, worum es bei diesem &#8220;Geld&#8221; \u00fcberhaupt geht? Man gewinnt nicht unbedingt diesen Eindruck, wenn monatelang \u00fcber die Neuberechnung des Hartz-IV-Regelsatzes gerungen wird &#8211; und dann mit einer nominellen Erh\u00f6hung um 5 Euro faktisch ein K\u00fcrzung herauskommt, weil der Anteil f\u00fcr Alkohol und Tabak sang- und klanglos herausgestrichen wurde. Damit &#8211; und aus vielen anderen Gr\u00fcnden &#8211; gen\u00fcgt der neue Regelsatz <em>nicht<\/em> dem Anspruch des Bundesverfassungsgerichts auf Einl\u00f6sung des Grundrechts auf soziokulturelle Teilhabe!<\/p>\n<p>Die f\u00fcr eine scheinbare &#8220;Bankenrettung&#8221;, &#8220;Euro-Rettung&#8221; und &#8220;Griechenlandrettung&#8221; bereitzustellenden dreistelligen Milliardenmittel wurden innerhalb weniger Wochen bewilligt! Leben wir noch in einer Realit\u00e4t, die diesen Namen verdient? Ist die Bundesrepublik denn noch ein Sozialstaat? Ein Rechtsstaat? Eine Demokratie? <strong>Nein!<\/strong><\/p>\n<p>Wie unsinnig die Politik gesteuert wird, kann man gut an der <strong>Schuldenbremse<\/strong> ablesen. Nun bin ich grunds\u00e4tzlich f\u00fcr ein solches Vorhaben zu begeistern. Ich will einen Statt, der sich ausschlie\u00dflich \u00fcber Steuern finanziert und der Schulden nur in unvorhersehbaren Situationen ausnahmsweise einmal aufnimmt. Doch welchen Eindruck erweckt ein solcher Plan in einem Staat, der die \u00f6ffentliche Verschuldung seit Jahrzehnten als Mittel zum Zweck der k\u00fcnstlichen Aufrechterhaltung einer kapitalistischen Wirtschaftsweise betreibt? Wie kann eine Schuldenbremse \u00fcberhaupt ohne eine gleichzeitige Verm\u00f6gensbremse zum Ziel f\u00fchren? Was wird ein Gesetzgeber, dem die Schuldenlast bislang piepegal war, wenn er nur seine \u00fcberkandidelten Prestigeprojekte durchziehen konnte, unter den Bedingungen der Schuldenbremse anderes betreiben als Sozialabbau, Einschr\u00e4nkungen der Zivilgesellschaft, K\u00fcrzungen bei denen, die sich am wenigsten wehren k\u00f6nnen: bei Langzeitarbeitslosen, und im Bildungssektor!<\/p>\n<p>Das sehen wir doch hier in der Stadt Mainz, wo auch zweieinhalb Jahre nach Beginn meiner Aktion &#8220;Schwarzfahren f\u00fcr Gerechtigkeit&#8221; und beinahe eineinhalb Jahre nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil immer noch kein verfassungsgem\u00e4\u00dfes Sozialticket haben!<\/p>\n<p>Wir sehen es an der unw\u00fcrdigen Diskussion um K\u00fcrzungen beim Staatstheater, obwohl unser Stadtschreiber Ingo Schulze schon zurecht dagegen wetterte und obwohl letzte Woche die ZEIT das &#8220;Lob der Hochkultur&#8221; gesungen hat.<\/p>\n<p>Wir sehen es an der Diskussion um den Gesamthaushalt, die plakativ auf dem OPEN OHR ausgetragen wurde und laut &#8220;Allgemeiner Zeitung&#8221; beim Festivalmotto endete: beim Rien ne va plus!<\/p>\n<p>Letzte Woche hielt Prod. Karl-Heinz Brodbeck seinen Vortrag zur &#8220;Herrschaft des Geldes&#8221; an der Mainzer Universit\u00e4t. Seine Argumentation drehte sich um die Entstehung und die Natur des Geldes. Er legte schl\u00fcssig dar, dass Geld nicht aus dem Tausch heraus entstanden sein und diesen nicht ersetzt haben kann. Das ist schon interessant, weil ich selbst das Thema beim OPEN OHR vom anderen Ende aufgezogen habe, doch dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Brodbeck sagt, dass Geld im Wesentlichen aus dem Vertrauen besteht, das wir alle in das Geld als wertebevorratendes, indirektes Tauschmittel setzen, von dem unsere Gesellschaft durchorganisiert wird. <strong>Geld sieht Brodbeck als vergesellschaftendes Mittel auf einer Stufe mit unserer Sprache an!<\/strong>\u00a0 Bankenrettungsschirm und den ganzen Mist bezeichnete Brodbeck als &#8220;<em>systematische Missbrauchsorgie<\/em>&#8221; unseres Vertrauens ins Geld. Wenn wir eine L\u00f6sung anstrebten, dann m\u00fcssten wir den Leuten das Handwerk legen, die unser Vertrauen ins Geld und in &#8220;Geldstabilit\u00e4t&#8221; f\u00fcr ihre eigene Bereicherung ausnutzen.<\/p>\n<p>Beim OPEN OHR habe ich das Thema mit der Ausarbeitung zum <strong>&#8220;Do ut des&#8221;-Prinzip<\/strong>s andersherum aufgezogen. Immer wenn ich Leuten vorschlug, das Geld als Ursache unserer Probleme abzuschaffen, erntete ich \u00fcberraschenderweise Unglaube, weil die meisten Leute &#8211; offenkundig r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt &#8211; die dann angeblich einsetzende Tauschwirtschaft f\u00fcr zu kompliziert hielten, um sie w\u00fcnschenswert finden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Dabei ist meine Intention, nicht nur das Tauschmittel abzuschaffen, sondern das Tauschen an sich!<\/strong> Es soll sich eine <strong>Schenk\u00f6konomie <\/strong>herausbilden! Irgendwann stellte ich fest, dass es eine Grundlage f\u00fcr dieses Veralten gibt, n\u00e4mlich die Verinnerlichung des &#8220;Do ut des&#8221;-Prinzips. So sagt der Lateiner, wenn wer &#8220;<strong>Ich gebe, damit du gebest<\/strong>&#8221; zum Ausdruck bringen m\u00f6chte. Die Gabe einer Gegenleistung bewirkt die erw\u00fcnschte, bed\u00fcrfnisbefiedigende Leistung. Bekannt ist das Prinzip von dem Spruch &#8220;<em>Bis zur vollst\u00e4ndigen Bezahlung bleibt die gelieferte Ware unser Eigentum<\/em>&#8220;. Die meisten Menschen k\u00f6nnen gar nicht anders denken als <em>Leistung gegen \u00e4quivalente Geegenleistung<\/em>. Doch was ist schon \u00e4quivalent? Wer bestimmt den Ma\u00dfstab? Kann es \u00fcberhaupt einen universalen Ma\u00dfstab geben? Beim Geld gibt es viel zu viel Missbrauch, um das Vertrauen in diesen Wertma\u00dfstab noch zu rechtfertigen. Warum nicht einfach Bed\u00fcrfnisse befriedigen und einfach der Gesellschaft dienen, wie man es selbstbestimmt f\u00fcr richtig h\u00e4lt??! Das <strong>bedingungslose Grundeinkommen<\/strong> erm\u00f6glicht diese Freiheit aus Basis eines konzeptionellen Verzichts auf das Gegenleistungsprinzip zwischen Individuum und Gesellschaft. Mit dem ausgezahlten Grundeinkommen in H\u00f6he von 1500 Euro im Monat soll das Individuum zwar vorerst noch dem Gegenleistungsprinzip umgehen. Auf lange Sicht aber sollten wir uns wirklich komplett davon verabschieden: <strong>Jeder nach seinen F\u00e4higkeiten, einem jeden nach seinen Bed\u00fcrfnissen!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Redebeitrag von Manfred Bartl zur 24. Mainzer Jeden-Monat-Demo am 20. Juli 2011, gehalten im Dauerregen bei der Abschlusskundgebung auf dem Frauenlobplatz in der Mainzer Neustadt. Liebe Konsumentinnen und Konsumenten! 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