{"id":39,"date":"2010-05-04T12:46:51","date_gmt":"2010-05-04T11:46:51","guid":{"rendered":"http:\/\/hartz4-muss-weg.de\/?p=39"},"modified":"2010-05-04T12:49:34","modified_gmt":"2010-05-04T11:49:34","slug":"unser-redebeitrag-zur-maikundgebung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hartz4-muss-weg.de\/?p=39","title":{"rendered":"Unser Redebeitrag zur Maikundgebung"},"content":{"rendered":"<p><em>Bei der Maikundgebung des DGB Rheinhessen-Nahe zum Tag der Arbeit auf dem Marktplatz in Mainz sprach Manfred Bartl von der Mainzer Initiative gegen HARTZ IV. Hier das Manuskript der Rede:<\/em><\/p>\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen!<br \/>\nLiebe Mainzerinnen und Mainzer!<br \/>\n<strong>HEY, ARBEITERKLASSE!<\/strong><\/p>\n<p>Mein Name ist Manfred Bartl und ich spreche auf der Mai-Kundgebung 2010 zu Euch im Namen der Mainzer Initiative gegen HARTZ IV und als Mitorganisator der Mainzer Jeden-Monat-Demo am 3. Mittwoch jedes Monats.<\/p>\n<p>Dem Deutschen Gewerkschaftsbund geb\u00fchrt ein Dank f\u00fcr die R\u00fcckf\u00fchrung des 1. Mai als Tag der Arbeit ins Herz der Mainzer \u00d6ffentlichkeit! Ich w\u00fcnsche Euch in diesem Sinne zahlreiche Gelegenheiten, \u00fcber Arbeit, Gute Arbeit und Erwerbslosigkeit diskutieren zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>In diesem Spannungsfeld steht auch mein Thema:<\/p>\n<p><strong>RFID<\/strong><br \/>\noder auf Englisch Ar Eff Ei Die<\/p>\n<p>Dieses Akronym RFID ist allen bekannt? Das sagt allen etwas?<\/p>\n<p>Das Akronym RFID kommt aus dem Englischen und steht f\u00fcr \u201eRadio-Frequency Identification\u201c, auf Deutsch: \u201eIdentifizierung mithilfe von elektromagnetischen Wellen\u201c. RFID erm\u00f6glicht die automatische Identifizierung und Lokalisierung von Gegenst\u00e4nden im elektromagnetischen Feld und gestattet damit die ber\u00fchrungslose Erfassung von Verkehrsdaten.<\/p>\n<p>Ein RFID-System besteht aus einem Transponder-Chip, dem \u201eRFID-Tag\u201c, der sich am Gegenstand bzw. seiner Verpackung befindet, und einem Leseger\u00e4t. Dieses erzeugt ein elektromagnetisches Hochfrequenzfeld geringer Reichweite, mit dem der Transponder zun\u00e4chst mit Energie versorgt wird und in dem anschlie\u00dfend die gespeicherten Daten \u00fcbertragen werden. Die unerh\u00f6rten Vorteile dieser Technik ergeben sich aus der Kombination der Kleinheit der RFID-Tags, die so klein wie ein Reiskorn sein k\u00f6nnen, der Leichtigkeit und Unauff\u00e4lligkeit der Auslesung und dem geringen Preis der RFID-Tags.<\/p>\n<p>Haupteinsatzgebiete f\u00fcr RFID sind die Supply Chain, Selbstzahlerkassen im Einzelhandel und allgemein das Identifikationswesen, z. B. mit dem ePass oder der entsprechend gechippten ecCard. Da es mir vor allem um die Arbeitsmarktauswirkungen von RFID geht, sind die beiden erstgenannten Bereiche die interessantesten. Rund um RFID sind auch andere Themenfelder ber\u00fchrt, zun\u00e4chst der Datenschutz im Allgemeinen \u2013 hier vor allem der Arbeitnehmerdatenschutz \u2013 und dar\u00fcber hinaus die Aussicht auf einen rein bargeldlosen Zahlungsverkehr im Besonderen, die de facto hinf\u00fchrt zum \u201eGro\u00dfen Bruder\u201c, der Total\u00fcberwachung; doch die sollen heute nicht zur Sprache kommen.<\/p>\n<p>Bitte beachtet daneben auch, dass es mir im Wesentlichen nicht um diese Technik geht, sondern um das System und die Chance auf eine Neujustierung des Arbeitsmarktes, um den gesellschaftlichen Nutzen f\u00fcr uns Erwerbspersonen sowie um den Nutzwert, der dem Kapitalisten aus einer solchen oder \u00e4hnlichen Technik erw\u00e4chst und der aufgrund der Profitbegierlichkeiten der Unternehmer (leider) noch immer den Motor solcher Entwicklungen darstellt.<\/p>\n<p>Was tut sich rund um RFID?<\/p>\n<p>Der ver.di Fachbereich Handel hat eine umfangreiche Brosch\u00fcre \u201e<a href=\"http:\/\/www.verdi-innotec.de\/upload\/RFID_Baisinformation.pdf\" title=\"RFID-Basisinformation ver.di innotec PDF\">RFID Basisinformation \u2013 Was Betriebsr\u00e4te \u00fcber den Einsatz von Funkchips wissen sollten<\/a>\u201c (PDF) herausgegeben. Darin geht es nicht allein um Wissen zum Wesen der Technik und um m\u00f6gliche Anwendungen (Best Practice), es sind auch Handlungsanleitungen f\u00fcr Betriebsr\u00e4te enthalten, allerdings ohne Orientierungshinweise f\u00fcr die Standortbestimmung des Betriebsrates! Der Betriebsrat verf\u00fcgt in der Regel nur \u00fcber eine eingeschr\u00e4nkte betriebliche Perspektive, z.B. die Arbeitslosigkeit der eigenen Belegschaft verhindern zu wollen.<\/p>\n<p>Bibliotheken etwa nutzen RFID als Instrument zur schnellen Erfassung von zu entleihenden und zur\u00fcckzugebenden B\u00fcchern, worin RFID gegen\u00fcber dem Vorg\u00e4ngersystem Barcode kaum einen Vorteil bietet. Zugleich ist das RFID-Tag aber auch ein Diebstahlschutz.<\/p>\n<p>RFID soll nach den Vorstellungen von effizienzorientierten Unternehmern (und manchem Verbrauchersch\u00fctzer) die Lieferkette oder auf Neudeutsch die Supply Chain \u2013 vom Herkunftsort \u00fcber die Transportwege bis ins Regal \u2013 \u00fcberwachen. Warenein- und \u2013ausg\u00e4nge (selbst wenn die Produkte hintereinander gelagert und Etiketten verdeckt w\u00e4ren), Nachbestellungen aus den L\u00e4den, Lieferungen in die M\u00e4rkte sowie Wareneingangsbuchungen laufen alle automatisch kontrolliert und gesteuert ab. Leicht verderbliche Waren k\u00f6nnen auf \u00dcberschreitung des Haltbarkeitsdatums kontrolliert und rechtzeitig aus dem Verkauf genommen werden. Z\u00e4hl-, Such- und Sortierprozesse durch Arbeitskr\u00e4fte entfallen. Die Logistikkette steht, wenn die Lagerkapazit\u00e4ten optimiert, Lieferungsspitzen just-in-time abzufangen und logistisch bedingte Ausf\u00e4lle minimiert und dementsprechend alle relevanten Informationen stets verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n<p>Dem Einzelhandel steht laut ver.di eine zweite Selbstbedienungswelle bevor. Die Akzeptanz von Selbstzahlerkassen wird \u00fcberall getestet. Bei Self-Checkout-Kassen f\u00e4llt nur das Personal weg; das System beruht unver\u00e4ndert auf Barcodes und Scannerkasse. Eine gewaltige Rolle spielt gerade RFID aber im \u201eMETRO Future Store\u201c in Rheinberg. Dort werden \u201eTechnologien getestet, die das Einkaufen f\u00fcr Kunden einfacher und bequemer machen sollen\u201c: \u201emit Selbstzahlerkasse, Info-Terminals, die Rezeptvorschl\u00e4ge liefern, intelligenten Waagen, die \u00c4pfel von Birnen unterscheiden k\u00f6nnen, einem Einkaufberater als Computer am Einkaufswagen, der Produktinformationen und Preise anzeigt, elektronischen Werbedisplays und Preisschildern\u201c.<\/p>\n<p>Den Einkaufsabschluss muss man sich so vorstellen, dass man mit dem vollen Einkaufswagen einfach zur T\u00fcr hinausspaziert, dann macht es einmal \u201ePieps\u201c als Signal, dass die Preise aller Waren im Wagen erfasst wurden, und ein weiteres Mal macht es \u201ePieps\u201c, wenn die Summe per RFID-gechippter ecCard erfolgreich vom Konto des Kunden abgebucht wurde. Keine Warteschlangen, kein Rumr\u00e4umen. Mit den Augen eines unschuldigen Kindes betrachtet ein gewaltiger Fortschritt gegen\u00fcber der heutigen Situation!<\/p>\n<p>\u201eDie Folgen der RFID-Technik f\u00fcr die Arbeitspl\u00e4tze im Handel (\u2026) werden unterschiedlich eingesch\u00e4tzt. Personalabbau h\u00e4ngt von verschiedenen Faktoren ab. Wird jedes einzelne Produkt getaggt und \u00fcbernehmen die Kundinnen\/Kunden das Kassieren selbst, indem sie einen Tunnelscanner passieren, so ist Kassenpersonal \u00fcberfl\u00fcssig.\u201c \u201eEine Aufsichtsperson bleibt, mehrere Kassierer\/-innen gehen.\u201c \u201eMit den Automatisierungen gehen viele Arbeitspl\u00e4tze verloren\u201c, \u201eselbst wenn die erzielten Rationalisierungseffekte teilweise dazu dienen, dort mehr Personal zu besch\u00e4ftigen, wo es der Wertsch\u00f6pfung und der Ankurbelung des Verkaufs dient.\u201c \u201eNur in den Gesch\u00e4ften, in denen die pers\u00f6nliche Bedienung und Beratung der Kunden noch wesentlicher Bestandteil der Verkaufsphilosophie ist, vermag RFID vorerst wenig zu ver\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p>Die Zitate decken einen ironischen Aspekt beim sich vor unseren Augen abspielenden Entwicklungsprozess auf: Man will menschliche MitarbeiterInnen durch RFID-Technologie einsparen, die das Einkaufen f\u00fcr Kunden einfacher und bequemer machen, z.B. intelligente Waagen bereitstellen, und Rezeptvorschl\u00e4ge liefern soll. Als ob menschliche MitarbeiterInnen \u00c4pfel nicht von Birnen unterscheiden k\u00f6nnten&#8230; Als ob robotische Bedienung f\u00fcr mehr Bequemlichkeit sorgen k\u00f6nnte als die Beratung durch kompetentes (und auch intuitives) menschliches Personal\u2026<\/p>\n<p>Ich will niemandem Angst einjagen, aber<\/p>\n<ul>\n<li>wenn man den Kapitalisten den Schritt zur Einf\u00fchrung von RFID allein \u00fcberl\u00e4sst,<\/li>\n<li>wenn man ber\u00fccksichtigt, dass die gesellschaftliche Spaltung in Arm und Reich so rasant zunimmt und die \u201eAnkurbelung des Verkaufs\u201c mittels menschlichen Personals nur noch dort noch eine Rolle spielt, wo man sich eine \u201eVerkaufsphilosophie\u201c leisten kann (bei der \u201eTafel\u201c wird es keinen RFID-Reader geben\u2026),<\/li>\n<li>und wenn man nur die Betriebsratsebene anstrengt, um die schlimmsten Auswirkungen abzumildern,<\/li>\n<\/ul>\n<p>dann wird man mit \u2013 Hausnummern jetzt \u2013 500 000 bis 1,5 Millionen zus\u00e4tzlichen Arbeitslosen rechnen m\u00fcssen (wobei zus\u00e4tzliche Arbeitspl\u00e4tze rund um die RFID-Technik kaum ins Gewicht fallen d\u00fcrften). Die Umstellung wird, \u00a0prescht einer erst einmal vor, obendrein sehr rasch durchgef\u00fchrt werden, weil die Einsparpotenziale enorm hoch sind (Ich sage nur: \u201e50 Prozent der Personalkosten des Lebensmittel-Einzelhandels flie\u00dfen in die Arbeit an der Kasse\u201c!), und dann wird sich auch REWE nicht davon abhalten lassen, obwohl gerade erst offenbar f\u00fcr die ganze REWE-Gruppe (also etwa auch f\u00fcr PENNY) neue Kassen f\u00fcr eine effizientere Bedienung durch menschliches Kassenpersonal angeschafft wurden. REWE geh\u00f6rt neben der METRO ohnehin zu den RFID-Vorreitern.Schwerpunkt der Diskussion um RFID sollte aber die Frage sein, inwiefern die vom DGB eingeforderte \u201eGute Arbeit\u201c an einer Kasse \u00fcberhaupt umgesetzt werden kann, wenn diese Arbeit weder in Produktion, noch Dienstleistung (und damit meine ich Dienstleistung am Kunden), noch gesellschaftlich relevante Vermittlungsleistung einzuordnen ist, weil sie allein dem Kapitalisten dient, der im jetzigen System nur auf diese Weise sein Inventar zeitnah erfassen kann. Die dem Kunden entstehende Notwendigkeit des Aus- und Wiedereinr\u00e4umens eines Einkaufswagens am Band und die Wartezeiten an der Kasse sind zus\u00e4tzlich auftretende Kollateralsch\u00e4den f\u00fcr die Kunden. Aus gesellschaftlicher wie volkswirtschaftlicher Sicht sind diese Kollateralsch\u00e4den nicht hinzunehmen. Der \u201eFrau an der Kasse\u201c im \u201eALDIteuerland\u201c steht mit RFID wohl der Gang in die Arbeitslosigkeit bevor.<\/p>\n<p>Ein Kernsatz der Brosch\u00fcre lautet: \u201eWenn aus Kostengr\u00fcnden [und da kann man wohl deutlich passender von Kapitalismusgr\u00fcnden sprechen] Billig-Konzepte Priorit\u00e4t haben und interessante Kombinationen von technischer und menschlicher Dienstleistung auf dem Pr\u00fcfstand stehen, dann wird erfahrungsgem\u00e4\u00df das Personal durch die Technik ersetzt.\u201c<\/p>\n<p>Einzel- und Gro\u00dfhandel sind ein bedeutender Wirtschaftssektor und bieten ca. 3,5 Millionen Menschen Arbeit. Die Besch\u00e4ftigtenzahl geht laufend zur\u00fcck. Im Einzelhandel ist das Arbeitszeitvolumen seit 2000 um 10 Prozent gesunken, was etwa 200.000 Vollzeitarbeitspl\u00e4tzen entspricht. Auch die Besch\u00e4ftigtenstruktur hat sich stark ver\u00e4ndert: Vollzeit- und sozial abgesicherte Teilzeitarbeit ist gesunken. Dagegen ist der Bereich der geringf\u00fcgigen Besch\u00e4ftigung mit sogenannten<br \/>\nMinijobs anteilm\u00e4\u00dfig gestiegen. Von 2,5 Millionen Einzelhandelsbesch\u00e4ftigten hat heute bereits jeder Dritte nur noch einen Minijob.<\/p>\n<p>Ein Verkaufsladen ohne Personal ist allerdings nicht die Vision der Gewerkschaft und auch nicht der Besch\u00e4ftigten und wohl auch nicht der meisten VerbraucherInnen.<\/p>\n<p>Betriebsr\u00e4te sind mit negativen Folgen des RFID-Einsatz konfrontiert wie Arbeitsverdichtung und verst\u00e4rkter Kontrolle der Besch\u00e4ftigten. Daher r\u00e4t ver.di Betriebsr\u00e4ten in der RFID-Brosch\u00fcre, \u201esich zu informieren, zu interessieren und zu qualifizieren, damit sie ihre Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechte bei der Einf\u00fchrung neuer Technologien wirksam aus\u00fcben k\u00f6nnen.\u201c Nach \u00a7 111 Satz 3 Nr. 4 Betriebsverfassungsgesetz ist zu \u00c4nderungen der Betriebsanlagen und nach \u00a7 111 Satz 3 Nr. 5 zu neuen Arbeitsmethoden \u2013 mit aufschiebender Wirkung \u2013 die Zustimmung des Betriebsrates einzuholen.<\/p>\n<p>Doch lasst uns als Gewerkschafter und als Arbeiterbewegung oder Arbeiterklasse oder als was immer zeitgem\u00e4\u00df w\u00e4re und wunderbar am 1. Mai diskutiert werden k\u00f6nnte \u00a0bedenken, dass Rationalisierung nicht nur dem kapitalistischen Primat der Profitmaximierung geschuldet ist, sondern auch im Kern unserer Zivilisation angelegt ist: Notwendige Arbeit soll zugunsten der Besch\u00e4ftigung mit den Wissenschaften, den K\u00fcnsten und dem Sozialen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt um nicht zu sagen: beseitigt werden.<br \/>\nWohin die Reise gehen sollte, sah schon <strong>Konfuzius<\/strong>: \u201eSuch dir eine Arbeit, die du gerne tust. Dann brauchst du keinen Tag in deinem Leben mehr zu schuften.\u201c<br \/>\nSo sagt auch <strong>G\u00f6tz Werner<\/strong>: \u201eDie Wirtschaft hat nicht die Aufgabe, Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen. Im Gegenteil. Die Aufgabe der Wirtschaft ist es, die Menschen von der Arbeit zu befreien.\u201c<br \/>\n<strong>Oscar Wilde<\/strong> dr\u00fcckte es noch grunds\u00e4tzlicher aus: \u201eMu\u00dfe, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Wir von der Mainzer Initiative gegen HARTZ IV sehen dementsprechend in der Arbeitslosigkeit, die allein von RFID oder einen \u00e4hnlichen Technik zus\u00e4tzlich generiert wird, die Chance auf eine Neuaufstellung des Arbeitsmarktes. Schon heute w\u00e4re die offenkundigste und arbeitsorganisatorisch noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig einfach durchzuf\u00fchrende Ma\u00dfnahme zur Reduzierung einer Massenarbeitslosigkeit von derzeit 6 bis 8 Millionen Menschen eine Umverteilung des\u00a0 Arbeitszeitvolumens durch eine 30-Stunden-Woche oder wom\u00f6glich schon die 25-Stunden-Woche.<\/p>\n<p>Wir nennen das Konzept \u201eArbeit fair teilen\u201c und haben bei attac Mainz die gleichnamige Arbeitsgemeinschaft gegr\u00fcndet, die am 2. Mittwoch jedes Monats im DGB-Haus zusammentrifft. Dort wollen wir theoretisch noch weiter vorpreschen, andere, auch unter die Idee von \u201eGuter Arbeit\u201c fallende Aspekte einarbeiten und der M\u00f6glichkeit einer 5-Stunden-Woche nachgehen.<\/p>\n<p>Dass Solidarit\u00e4t \u00e4hnlich wie die Wirtschaft mit ihren beiden Ebenen Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft zwei Sichtweisen haben kann, die unter Umst\u00e4nden einander gegen\u00fcberstehen, haben wir Mainzer gerade erst im Zusammenhang mit dem Kohlekraftwerk erlebt. Die Industrie-Betriebsr\u00e4te solidarisierten die MitarbeiterInnen von KMW AG, Stadtwerke Mainz AG und MVG GmbH (und anderen) untereinander und reihten sich mit ihrer Forderung nach dem Bau eines Kohlekraftwerks (und der Sicherung ihrer und der Schaffung neuer regionaler Industriearbeitspl\u00e4tze zur Sicherung der regionalen Wertsch\u00f6pfung) (und pikanterweise mit von den Unternehmen finanzierten Transparenten) nahtlos in die Reihen der betrieblich Argumentierenden, u. a. der (st\u00e4dtischen) Unternehmer ein. \u00a0Sich mit dem Klassenfeind Schulter an Schulter wiederzufinden, sollte hingegen zu denken geben \u2013 das war sogar der Lokalredaktion der \u201eAllgemeinen Zeitung\u201c in einem Kommentar zu dem Geschehen aufgefallen!<\/p>\n<p>Nach innen mag das ein sch\u00f6nes Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl ergeben haben, aber die Besch\u00e4ftigten in Mainz \u2013 ich erw\u00e4hnte die Arbeiterklasse und die Schwierigkeiten, diese heute eindeutig zu definieren \u2013 f\u00fchlten sich, gelinde gesagt, ver\u00e4ppelt, dass einige von ihnen sich gegen die Allgemeinheit stellten, die das Kohlekraftwerk aus nachvollziehbaren und guten Gr\u00fcnden ablehnt \u2013 zumal alternative Energien den Studien zufolge mehr und vor allem zukunftstr\u00e4chtigere Arbeitspl\u00e4tze generiert h\u00e4tte. Ich sprach es in einer Stadtratssitzung an: Wenn Mainz mit dem zeitlichen Spielraum und der Investitionsbereitschaft, die auch am Kohlekraftwerk erkennbar geworden ist, ein Energiekonzept auf Basis von dezentralen Blockheizkraftwerken und regenerativen Energien hinbekommen h\u00e4tte, dann w\u00e4re Mainz Weltmarktf\u00fchrer geworden!Warum soll man Solidarit\u00e4t aufbringen, bevor sie im Sinne des Gesamtzusammenhangs n\u00f6tig ist? Solange wir uns vom Kapitalismus beherrschen lassen, dessen unm\u00f6gliche Auswirkungen sich dieser Tage wieder m\u00e4chtig bemerkbar machen, hat niemand ein (Besitz-)Recht auf \u201eseinen\u201c Arbeitsplatz, so wie wir Langzeitarbeitslosen ganz offensichtlich kein Recht auf \u201eunseren\u201c Arbeitsplatz geltend machen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die herbeigesehnte Solidarit\u00e4t der Arbeiterklasse sollte vielmehr in dem Moment aufgebracht werden, in dem Grenzen \u00fcberschritten wurden, etwa wenn Arbeitspl\u00e4tze aufgrund von kapitalismusinh\u00e4renten Prozessen weggefallen sind und wenn sich die Interessen der Arbeitenden jenseits der Grenzen zur Deckung bringen lassen, hier etwa im Sinne regionaler Wertsch\u00f6pfung mit hohem (nachhaltigem, menschenw\u00fcrdigen, existenzsichernden) Arbeitseinsatz.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt f\u00fcr die MitarbeiterInnen der Job-Center und ARGEN, soweit die zuletzt in ver.di PUBLIK ver\u00f6ffentlichten Leserbriefe repr\u00e4sentativ sind (und davon gehe ich zwanglos aus, nachdem ich schon so oft mit deren \u201egesetzestreuen\u201c Vorgehen konfrontiert wurde). Darin hatte jemand gemeint, dass MitarbeiterInnen der Job-Center \u201egenauso Opfer wie die Arbeitssuchenden\u201c seien. Sein Kollege meinte offenbar allen Ernstes \u2013 und gegen jeden Solidarit\u00e4tsgedanken: \u201eIst es gegen\u00fcber denen, die mit Jobs im Niedriglohnbereich versuchen ihren Lebensunterhalt zu verdienen, nicht eine Frage der Gerechtigkeit, dass die sanktioniert werden, welche sich einer Zusammenarbeit verweigern?\u201c<\/p>\n<p>Wer nicht die geringste Anstrengung unternimmt nachzuvollziehen, dass Sanktionen \u2013 gerade nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 9. Februar 2010 \u2013 menschenunw\u00fcrdig sind, sollte vielleicht mal den Versuch einer Typisierung Adolf Eichmanns aus der Feder des gro\u00dfen Humanisten Erich Fromm nachlesen und registrieren, dass unsere Gewerkschaften unver\u00e4ndert anti-faschistische Organisationen sind! Wieder der erste Kollege verlangte \u201evon unserer Gewerkschaft, dass sie (\u2026) uns nicht zu T\u00e4tern macht wie in dem Artikel des Mitgliedermagazins. So ist das weder unser Magazin noch unsere Gewerkschaft.\u201c Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen, oder?!<\/p>\n<p>Ich habe sicher nichts gegen die KollegInnen in den Job-Centern und ARGEn; ich selbst habe mich hier in Mainz schlie\u00dflich schon einmal im vollen Bewusstsein dessen, was mich erwarten w\u00fcrde, als Fall-Manager beworben. Mir ist klar, dass sie grunds\u00e4tzlich getrieben sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, und mir ist auch klar, wozu ihr Arbeitgeber sie antreibt bzw. anzutreiben versucht. Solange aber die MitarbeiterInnen der Job-Center diesem Antrieb nachgeben, bei diesem Treiben gar mitmachen, statt sich aus Gewissensgr\u00fcnden zu weigern, menschenunw\u00fcrdige Sanktionierungen auszusprechen, solange sie nicht selbst aufgrund dessen Disziplinarma\u00dfnahmen oder K\u00fcndigungen zu erwarten haben, solange sie also T\u00e4ter sind und nicht Opfer, so lange werden sie von mir und von uns keine Solidarit\u00e4t erwarten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Arbeitszeitverk\u00fcrzung jetzt, dann ist Vollbesch\u00e4ftigung m\u00f6glich!<\/strong><\/p>\n<p>Wem die programmatische Ausrichtung bei der attac AG Arbeit fair teilen am 2. Mittwoch jedes Monats zu konkret ist, kann sich ja erst einmal beim <a href=\"http:\/\/denknachmainz.wordpress.com\/\" title=\"Weblog des NDS-Gespr\u00e4chskreises MZ - denknachmainz.wordpress.com\">NachDenkSeiten-Gespr\u00e4chskreis Mainz<\/a> am 2. Donnerstag jedes Monats beteiligen und auf Graswurzelebene mitdiskutieren!<\/p>\n<p>Die Jeden-Monat-Demo findet diesen Monat am 19. Mai wie gewohnt um 12 Uhr statt. Sammelpunkt ist der M\u00fcnsterplatz im Schatten des ver.di-Hauses.<\/p>\n<p>Manfred Bartl<br \/>\nSprecher der Mainzer Initiative gegen HARTZ IV<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hartz4-muss-weg.de\/\">www.hartz4-muss-weg.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Maikundgebung des DGB Rheinhessen-Nahe zum Tag der Arbeit auf dem Marktplatz in Mainz sprach Manfred Bartl von der Mainzer Initiative gegen HARTZ IV. Hier das Manuskript der Rede: Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Mainzerinnen und Mainzer! HEY, ARBEITERKLASSE! 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